Sobald man von den schlangenförmig verlaufendenden Straβen aus den Ort erblickt, versteht man sofort warum man ihn besuchen muss. In einer märchenhaft spektakulären Landschaft gelegen, lässt das Dorf gleich ihre Besucher in die Geschichte früherer Zeiten eintauchen, und berauscht sie dabei mit Düften und Aromen der heutigen Zeit. Pitigliano ist in der ganzen Welt bekannt, auch unter dem Spitznamen “Klein-Jerusalem”, das für ihre in der jüdischen Religion und Kulter verwurzelten Geschichte steht. Das mittelalterliche Dorf ist auf einem Tuffsteinvorsprung halbmondförmig angelegt, und auf drei Seiten von grünen Tälern umgeben, die immer eine natürliche Abwehr gegen Angriffe garantieren. Der ganze Ort steht auf einem Felsensporn, und der historische Ortskern hat sich entlang der drei Hauptstraßen entwickelt, die sich mit zahlreichen malerischen Gassen kreuzen, welche oft in kleinen wunderbaren Aussichtsplätzen münden. Pitigliano hat sehr alte Wurzeln, die in die mittlere Bronzezeit (16. Jahrhundert v. Chr.) zurückreichen, wie es archäologische Funde belegen, und sie ist in etruskischer Zeit eine blühende Siedlung gewesen. Pitigliano wird aus „gens Petilia“ abgeleitet, dem Namen einer bedeutenden römischen Familie, deren Existenz ab 385 v. Chr. in Rom nachgewiesen ist. Während der mittelalterlichen Stadtentwicklung wurden die Spuren der Etrusker weitgehend gelöscht, und die stadtnah gelegenen Gräber wurden als Keller genutzt. Im Jahr 1200 gehörte Pitigliano der Grafschaft Sovana an, wo die Aldobrandeschi seit dem 8. Jahrhundert ihren Wohnsitz hatte. Ab der Mitte des Jahrhunderts ist Sovana Hauptort der Grafschaft, aber mit der Ehe zwischen Anastasia Aldobrandeschi und dem römischen Grafen Romano Orsini geht der Ort auf die Orsini über und wird zu ihrem Wohnsitz. Die wichtigste Rolle spielte in dieser Zeit Niccolo III., da unter ihm die Grafschaft eine bedeutende Entwicklung erfuhr. Später ging sie an die Medici, und anschlieβend an Lothringen, um schlieβlich Teil des Großherzogtums der Toskana zu werden.

Das Manzi Museum

Das Manzi Museum ist ein archäologischer Park unter freiem Himmel, das eine didaktische Exkursion anbietet, mit u.a. Reproduktionen einer Hütte aus der späten Bronzezeit, eines Hauses der etruskischen Zeit sowie der Beerdigung eines Ehepaares, einschlieβlich der reichhaltigen Sammlung von Grabbeigaben. Über einen etruskischen Hohlweg (via cava) gelangt man zu der Nekropole.
Die etruskische Nekropole von Gradone, bestehend aus Gräbern mit einer, zwei oder drei Kammern war über anderthalb Jahrhunderte lang in Gebrauch (zwischen der zweiten Hälfte des 7. bis zum dritten Quartal des 6. Jahrhundert v. Chr.) und hat der Nachwelt bedeutende Gefäße sowohl aus lokaler Produktion (mit Sgraffito-Dekoration) als auch aus griechischem Import überliefert.

Madonna delle Grazie

Das Heiligtum „Madonna delle Grazie“ befindet sich vor dem “scogliaccio Pitiglianese” auf einer leichten Anhöhe, von wo aus sich ein schöner Blick auf Pitigliano öffnet, insbesondere stimmungsvoll in der Dämmerung, wenn das Dorf im Nichts schwebend erscheint. Die Kirche spätmittelalterlichen Ursprungs entstand zunächst als ländliche Kapelle. Erst im 16. Jahrhundert wird sie zu einem der Jungfrau Maria gewidmeten Heiligtum. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beherbergt sie eine Franziskanergemeinde.

Jüdischer Friedhof

Der Friedhof entstand auf einer kleinen Hochebene aus Tuffstein, die von Graf Niccolò IV. Orsini seinem vertrauten Arzt David De Pomis geschenkt wurde, um ihm die Beerdigung seiner verstorbenen Frau zu ermöglichen. Später wurde der Ort zu einem echten Friedhof der jüdischen Gemeinde von Pitigliano.

Das Medici Aquädukt

Das wichtige Aquädukt wurde in der Medici-Ära, Mitte des 16. Jahrhunderts, zu dem Zweck errichtet, das Wasser aus nahegelegenen Quellen nach Pitigliano zu führen. Die Arbeit wurde jedoch im 18. Jahrhundert unterbrochen, als das Stadtgefüge von Pitigliano, unter lothringischer Herrschaft, einer beträchtlichen Umstrukturierung unterzogen wurde. Noch heute kann man zu Fuß dem Verlauf des Aquädukts folgen, das aus zwei großen, durch eine massive Säule gestützten, Hauptbögen sowie dreizehn kleineren Bögen besteht, und die ganze Anlage dehnt sich bis zu der Piazza della Repubblica aus, wo sie in einen malerischen Brunnen mündet.

Castello Orsini

Der majestätische Palast, im Herzen des antiken Ortskerns von Pitigliano, geht auf die Aldobrandeschi zurück, wurde jedoch in der Mitte des 16. Jahrhunderts von Antonio da Sangallo il Giovane, nach dem Willen der Familie Orsini, restauriert. Sodann dienter er als gemütliches Domizil der Grafen Orsini. Heute beherbergt er nicht nur den Bischofssitz, sondern auch das Diözesanmuseum und das archäologische Museum der etruskischen Zivilisation.

Archäologisches Museum der etruskischen Zivilisation

Das 1995 gegründete Museum enthält eine Ausstellung von meist etruskischen Funden aus der archaischen Zeit (7.-6. Jh. v. Chr.), die bei Ausgrabungen in der Nekropole von Poggio Buco und in der Siedlung Pitigliano entdeckt wurden. Die Sammlung reicht von primitiver Keramik bis hin zu großen, mit Flachrelief verzierten, Bucchero- Vasen. Es gibt auch eine Werkstatt für Keramikrestaurierung.

Kathedrale

Über die Via Roma, eine zentrale Straβe, die auch “Via del Corso” genannt wird, erreicht man die Piazza Gregorio VII., auf die der den beiden Heiligen Pietro und Paolo gewidmete Dom von Pitigliano blickt. Die harmonische und elegante dreiteilige Fassade zieht die Aufmerksamkeit der Besucher an, mit dem Portal aus dem 16. Jahrhundert und den beiden Seitennischen, die die Statuen der beiden heiligen Namensgeber enthalten. Die Kirche ist einschiffig. Wenn Sie hineitreten, können Sie die Schönheit der Werke von Künstlern aus dem Sieneser Raum bewundern, wie z.B. “San Michele Arcangelo che colpisce il demonio” (1725) von Francesco Zuccarelli (1725) aus Pitigliano oder „La Madonna del Rosario“ (1609) von Francesco Vanni, und die beiden großen Leinwände mit Szenen aus dem Leben von Papst Gregor VII. (1885) von Pietro Aldi aus Manciano. An der linken Seite der Kathedrale erhebt sich der Glockenturm, der durch seine besondere Struktur, auch das Ortsbild von Pitigliano auf interessante Weise beeinflusst.

Chiesa di San Rocco

Die Kirche ist dem San Rocco gewidmet ist, dem Schutzpatron von Pitigliano, und ist vermutlich die älteste Kirche der Stadt. Die ersten Spuren dieser Kirche reichen bis 1276 zurück. Sie wurde im Jahre 1500 von der Familie Orsini prachtvoll restauriert.

Etruskische Mauern

Reste der etruskischen Mauern sind in der Nähe der Porta di Sovana noch sichtbar, der einzige Teil der Stadt, wo Pitigliano eine Mauer benötigte. Der untere Teil der Mauer, ganz eindeutig etruskischen Ursprungs, besteht aus großen Tuffsteinblöcken. Ein großer Teil der Stadtmauer wurde durch Erosion zerstört, weshalb es heute schwierig ist, weitere befestigte Strecken zu identifizieren.

Synagoge und Ghetto

Pitigliano hat ihren jüdischen Mitbürgern immer Gastfreundschaft bewiesen und diente ihr als Zufluchtsort seit Ende des 15. Jahrhunderts, wo im Laufe der Jahre, dank der günstigen Bedingungen und guten Beziehungen mit der christlichen Einwohnern, eine blühende jüdische Gemeinschaft entwickelte. Die indigene Kultur ist heute noch in vielerlei Hinsicht durch dieses jahrhundertelange Zusammenleben bereichert. Wenn Sie Via Zuccarelli entlanggehen, erreichen Sie die Synagoge. Sie wurde von den ersten jüdischen Ansiedlern 1598 (5358 nach dem hebräischen Kalender) erbaut. Die Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges hat sie schwer beschädigt, und in den späten 1950er kam es zu einem teilweisen Einsturz. Vor kurzem wurde das Gebäude wieder renoviert, und beherbergt gelegentlich religiöse Zeremonien, aber ist insbesondere das Ziel vieler Besucher aus der ganzen Welt. Unterhalb der Synagoge sehen Sie die Räumlichkeiten des alten Gettos, sämtliche in den weichen Tuffstein gehauen, in denen die Arbeit und Aufgaben durchgeführt wurden, aus denen das tägliche Leben der jüdischen Gemeinschaft bestand.