san leonardo

 

Die Besucher werden es schnell merken, dass die Kirche vor nicht allzu langer Zeit renoviert wurde. Die Fassade wurde 1932 in neoklassizistischem Stil nach dem Plan des Ingenieurs Cusella komplett neu aufgezogen/errichtet. Im Jahr 1929 wurde der neue Marmoraltar eingebaut und die Brüstung, während der Mosaikboden aus 1954 stammt.
Die Kirche ist jedoch viel älter. Beim Eintreten in die Kirche sind die Bretter des mancianesischen Künstlers Paride Pascucci (1866-1954) zu sehen, auf nationaler Ebene eines der interessantesten post-Macchiaioli Künstler.
Die Hautpwerke im Inneren der Kirche sind: San Leonardo (1894), das für den Hauptaltar der Kirche angefertigt wurde, und in der Vereinfachung der Formen und dem Kontrast von Licht und Schatten den Einfuss von Viligiardi widerspiegelt. Die mystischen und kontemplativen Aspekte werden durch die Porträtierung der Dorfbewohner gemildert, so dass das Bild vom Jesuskind in dem Ausdruck ein bisschen der gelangweilte Ausdruck eines pummeligen maremmanischen Kleinkindes zu erkennen ist.
Die Apostel (1909): Dieses Gemälde wurde im Rahmen einer Ausstellung der bildenden Künste in Rom präsentiert und von der Galerie für Moderne Kunst aufgekauft, die es jedoch derzeit der Kirche von San Leonardo zur Verfügung gestellt hat. In der Arbeit wird in autentischer Weise das traditionelle Fußwaschen am Gründonnerstag dargestellt, das jedes Jahr in Manciano in diesem Sakralbau stattgefunden hat. Das Gemälde stoβ in intellektuellen Kreisen auf eine gewisse Perplexität, so dass John Cena, Direkteur von “Nuova Antologia”, diesbezüglich viele Fragen an Paride richtete, insbesondere was den Ort und die fragliche Zeremonie, die dargestellt wurde, betrifft.
Auf den ersten Blick fällt gleich der von den „Bauern-Aposteln“ gebildete “weiße Fleck” auf, welcher eine bedeutende visuelle Wirkung auf den Betrachter ausübt, sodann verschiebt sich der Fokus auf die Gesichter, welche sich dem heiligen Ritus andächtig hingeben. Aber etwas bricht den Bann und beeinträchtigt die Würde des Augenblicks. Die Aposteln verwandeln sich unmittelbar nach der Waschzeremoni wieder in Bauern, die sich etwas unbeholfen schnell die Schuhe wieder anziehen, und ein Kind in der Mitte spielt mit schelmischem Ausdruck “raganone”, ein Instrument das in der Karwoche statt der Glocken verwendet wurde, jedoch nicht in der Kirche benutzt werden durfte. Diese Szenen werden vom Künstler geradezu „fotografiert“.
Karfreitag (1929): auch dieses Werk, aus der Sammlung der Banca di Credito Cooperativo di Saturnia und der Kirche von San Leonardo ausgeliehen, zeigt in sehr realistischem Stil eine religiöse Zeremonie aus dem Alltagsleben der Menschen. Hier bleibt jedoch der spirituale Aspekt des Rituals vordergründig, die Teilnehmer stehen unbeweglich und wie absorbiert. Die Köpfe der Frauen sind bedeckt und die Männer tragen das weiße Gewand der „Bruderschaft der Barmherzigkeit“. Nur ein Kind befindet sich in einer etwas unordentlichen Pose, aber auch er ist still und sein ernstes Gesicht Christus zugewandt.
Dieses Werk wurde 1929 mit dem Spranger-Preis ausgezeichnet. Die Kirche ist dem Schutzpatron der Stadt gewidmet. San Leonardo, der trotz seiner adligen Herkunft sich weigerte dem Krieg zu widmen, und engagierte sich stattdessen als Beschützer der Sklaven und Gefangenen. Er lebte als Einsiedler, heilte Kranken und sammelte Geld, um Gefangene zu befreien, vor allem Kriegsgefangene.
Die Legende vom heiligen Leonhard: Die Lokale Legende besagt, dass in der Zeit vor der Abschaffung der Todesstrafe in der Toskana, es geschah, dass ein Mann namens Leonardo Morucci aus Manciano zu Unrecht verhaftet und zum Tode verurteilt wurde. Die Nacht vor der Hinrichtung (zwischen 5. und 6. November) wandte sich der Verurteilte, in vollem Vertrauen auf die Fürsprache seines Schutzpatrons in dieser Notlage, an den Gefängniswärter, der ihn verhöhnte, und antwortete: „Wenn der heilige Leonhard will, dann kann er“. Während der Nacht leuchtete in der Zelle ein großes Licht auf, die Ketten schmolzen, und die Tür öffnete sich. Leonardo verlieβ das Gefängnis in Orbetello ungehindert und lief bis Manciano, wo er vom festlichen Klang der Kirchenglocken empfangen wurde. In den folgenden Tagen wurde er auch von der weltlichen Justiz freigesprochen.